Investoren verstärken den Druck auf Unternehmen

“Eine gute Nachhaltigkeits-Bilanz gilt bis heute vielen als PR-Mittel. Doch die Realität sieht anders aus. Für Investoren ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema. Sie drängen die Unternehmen zu weiteren Fortschritten.“

Als ich diese Zeilen im gestrigen Handelsblatt las, keimte in mir Hoffnung auf. Habe ich mich doch vorige Woche noch über die unverschämte Art und Weise in der die Deutsche Bank mit ihrem Nachhaltigkeitsbericht warb aufgeregt. Wissen Sie, manchmal stelle ich mir die Frage nach dem Sinn meines Tuns, wenn selbst die am wenigsten nachhaltigen Unternehmen sich mit ihren „nachhaltigen“ Errungenschaften brüsten und der eigentlich sinnvolle Begriff „Nachhaltigkeit“ zu einer leeren Worthülse verkommt.

Umso zuversichtlicher stimmen mich daher die Ergebnisse der Umfrage des Sustainable Business Institute (SBI). Zwei Drittel der in Deutschland börsennotierten Unternehmen und etwa 90 Prozent der DAX-Konzerne maßen Nachhaltigkeit eine hohe Bedeutung für die künftige Entwicklung des eigenen Unternehmens bei. Zum Vergleich: in 2003 galt diese Aussage gerade einmal für 40 Prozent aller Firmen und etwa die Hälfte der DAX-Konzerne. Ein beachtlicher Anstieg.

Ansteigen wird nach Meinung der befragten Unternehmen in den nächsten Jahren auch das Maß an Verantwortung, das sie für soziale, ökologische und ethische Belange übernehmen müssen. Schon heute erhalten rund 90 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen zwischen 20 und 100 nachhaltigkeitsbezogene Anfragen.

Unternehmen sind nun darum bemüht, Managementsysteme, Prozesse, Produkte und Leistungen rasch auf diese neuen Anforderungen einzustellen. Laut eigenen Angaben stehen sie jedoch vor einer Diskrepanz zwischen der Bedeutung dessen und dem Vorhandensein der dafür notwendigen Ressourcen in ihrem Unternehmen. Lücken sehen sie bei der Verfügbarkeit von Fachpersonal, der Unterstützung durch die Vorstandsebene oder bei der Abstimmung der Anreizsysteme auf Nachhaltigkeit.

Fachleute fordern, dass diese Schwachstellen schnell behoben werden und es nicht bei schönen Worten im Unternehmensleitbild bleibt. Strategie, Führung und Organisation von Unternehmen müssten entsprechend ausgerichtet und konkrete strategische, Produkt- und Marktziele gesetzt werden, so das Handelsblatt.

Dies betrifft aber nicht nur die großen Konzerne, sondern insbesondere auch kleine und mittlere Unternehmen, die zum Teil zwar Umweltmanagementsysteme installiert haben und vereinzelte soziale Maßnahmen durchführen, jedoch diese nicht in dem Maße bündeln und stringent darüber berichten, dass sie von Investoren wahrgenommen werden. Jedoch ist nicht zuletzt durch die Ereignisse in Fukushima das Bewusstsein um die Bedeutung einer umfassenden Nachhaltigkeitsbetrachtung von Investments – weit über ökologische Aspekte hinaus – geschärft worden.

Gut, wenn Sie als Unternehmen sich bezüglich der Fragen von Investoren wappnen und schon heute beginnen sich mit ihrem Unternehmen verantwortungsbewusst und umfassend zu den Aspekten Ökonomie, Ökologie und Soziales auseinanderzusetzen. Ich empfehle Ihnen hierfür den Leitfaden der Global Reporting Initiative –meiner Meinung nach der Nachhaltigkeitsstandard, an dem derzeit niemand vorbeikommt – und auch die Bundesregierung fördert gesellschaftliche Verantwortung im Mittelstand.

 

(Katrin Oppitz)

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