Warum werden Nachhaltigkeitsberichte geschrieben und gelesen: Wandel in der Nachhaltigkeitsberichterstattung

Eine Frage, die sich das Team von one sustainability in den letzten Tagen und Wochen nicht nur einmal gestellt und kontrovers diskutiert hat. Nun bin ich gestern bei einer allgemeinen Recherche nach Neuigkeiten aus der Berichterstattung auf eine Studie aus 2010 gestoßen. Zugegeben, sie ist nicht mehr brandneu, aber meiner Meinung nach beleuchtet sie sowohl die Perspektive der berichterstattenden Unternehmen, als auch der Leser. Ebenso wird auf die unterschiedlichen Meinungen beider Gruppen eingegangen und es werden Empfehlungen ausgesprochen, wie sich Unternehmen in ihrer Berichterstattung an die Bedürfnisse von Lesern annähern können.

Die Studie wurde in 2010 von der Global Reporting Initiative (GRI) in Auftrag gegeben. Für die Durchführung waren KPMG, SustainAbility und Futuerra verantwortlich. Weltweit wurden insgesamt 5.000 Berichterstatter und Leser zu ihren Erwartungshaltungen bezüglich einer Nachhaltigkeitsberichterstattung befragt.

Folgende Ergebnisse lassen sich festhalten:

1) Der eigentliche Zweck der Berichterstattung

Der eigentliche Zweck der Berichterstattung ist die Darstellung der Unternehmensleistung: Leser wie Berichterstatter sind sich darin einig, dass die Verbesserung interner Prozesse und die Darstellung der Nachhaltigkeitsleistungen für sie an oberster Stelle stehen.

2) Berichterstattung ist nicht mit Stakeholderdialog gleichzusetzen

In diesem Punkt sind sich Berichterstatter und Leser uneinig. Während die Hälfte der Berichterstatter dies sehr wohl als Anlass für die Berichterstattung sieht, sagen weniger als 20 Prozent der Leser, dass sie durch Nachhaltigkeitsberichte veranlasst werden mit Unternehmen in Kontakt zu treten.

Dies ist nicht nur eine bedeutende Differenz, sondern wirft zugleich auch grundsätzliche Fragen zum bisherigen Verständnis der Nachhaltigkeitsberichterstattung auf. Die Konsequenz, die daraus zu ziehen ist: sowohl die Berichterstattung an sich, als auch die Strategien für einen Stakeholderdialog sollten sich ändern.

Unternehmen sollten eine Strategie entwickeln, um ihren Stakeholdern für sie relevante Informationen zu liefern. Dafür sollten Unternehmen auch in Erwägung ziehen, ihre Leser aufgrund bestimmter Verhaltensweisen zum Handeln aufzurufen und mit ihnen gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

3) Schafft Nachhaltigkeitsberichterstattung Transparenz und Vertrauen?

Nun, Leser von Nachhaltigkeitsberichten denken nicht, dass Nachhaltigkeitsberichte per se „Greenwashing“ sind. Dennoch bleiben die Leser skeptisch, ob ein Nachhaltigkeitsbericht wirklich einen umfassenden Überblick zur nachhaltigen Entwicklung eines Unternehmens geben kann. Gerade einmal zehn Prozent vertreten die Meinung, dass Nachhaltigkeitsberichte ein vollständiges Bild hiervon liefern. Es besteht also eindeutig Bedarf an mehr Transparenz in der Berichterstattung.

Vertrauen wird im Laufe der Zeit durch eine beständige transparente Darstellung der Unternehmensleistungen geschaffen. Eine solide Nachhaltigkeitsberichterstattung darf neben den erreichten Erfolgen nicht die Misserfolge und Fehler vergessen; sie sollte beides in ausgewogenem Maße beinhalten. Zu oft beachten Unternehmen dieses oberste Gebot der Berichterstattung nicht. Dies zeigten in jüngster Vergangenheit wieder die Beispiele von BP (siehe auch BPs weichgespülter Nachhaltigkeitsbericht und Black Planet für BP) oder Daimler.

4) Standards schaffen Vertrauen

Unabhängige Standards wie GRI spielen eine wesentliche Rolle bei der Vertrauensbildung. Insbesondere die verbesserte Vergleichbarkeit und das Schaffen von mehr Transparenz sind zwei wesentliche Bestandteile der GRI und deren globale Richtlinien.

5) Überprüfung bedeutet nicht gleich Vertrauen

Die meisten Leser (rund ein Drittel) meinen, dass Instrumente zur Validierung und Prüfung von Nachhaltigkeitsberichten am besten geeignet sind, um mehr Transparenz zu schaffen. Jedoch bewerten sie die Niveaus der Instrumente höchst unterschiedlich. So wird eine Validierung des Berichts durch unabhängige Dritte (engl. Third-Party-Check) als wesentlich vertrauenswürdiger eingestuft, als die Verleihung von Nachhaltigkeitspreisen (siehe auch Glocalist: “Deutscher Nachhaltigkeitspreis – Quo vadis?”).

6) Leser beeinflussen sich in ihren Meinungen untereinander

Etwa die Hälfte der Leser tauscht Informationen mit anderen aus. Obwohl also Unternehmen nur wenige Rückmeldungen zu ihrem Bericht erhalten, werden mit anderen Stakeholdern Ergebnisse und Eindrücke aus dem Bericht ausgetauscht. Insbesondere soziale Medien haben in den letzten Jahren hierauf einen starken Einfluss genommen.

Berichterstattenden Unternehmen wird aus diesem Grund empfohlen eingängige Kernbotschaften zu formulieren, ihre Berichte modular aufzubauen und im Internet sowie über weitere soziale Medien verfügbar zu machen.

7) Berichterstattung führt zu Verhaltensänderungen

Einem Teil der Leser dienen Nachhaltigkeitsberichte als Informationsgrundlage für Investitionsentscheidungen, bei der Stellensuche, bei der Kaufentscheidung für Produkte oder Dienstleistungen des berichtenden Unternehmens. Etwa ein Drittel gibt an, dass sie aufgrund der Informationen aus Nachhaltigkeitsberichten motiviert wurden ihr Verhalten zu ändern, selbst zu handeln und so einen Beitrag für die nachhaltige Entwicklung der Gesellschaft zu leisten.

Sie sehen, es gibt unterschiedliche Aspekte, unter denen Nachhaltigkeitsberichte verfasst werden. Eines ist aber wesentlich: die Qualität eines Nachhaltigkeitsberichts steht und fällt mit der Transparenz, die er zu den Unternehmensleistungen bietet.

Falls Sie mir bis zum Ende des Beitrags gefolgt sind, würde ich gerne von Ihnen erfahren, was Ihre Motivation ist, Nachhaltigkeitsberichte zu schreiben oder zu lesen.

Herzlichen Dank!

(Katrin Oppitz)

 

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